Dieses Medium wird unser Informationsverhalten revolutionieren: Es ist universell einsetzbar, extrem flexibel, lässt sich interaktiv nutzen. Man kann es für Texte genauso gut wie für Bilder einsetzen, es ist extrem leicht, biegsam und passt in jede Aktentasche. In der Herstellung kostet es fast nichts, es braucht selbst bei Benutzung keinen Strom. Jeder Stift erlaubt schnelle Anmerkungen, man kann jederzeit ein Blatt rausreißen und den Rest wiederverwerten. Irgendwann wird man dann Tonnen an den Häusern aufstellen, wo man die nicht mehr benötigten Blätter einwerfen kann, damit sie zu neuem Papier verarbeitet werden. Das wird ein Hype.
Halt, sagen Sie, das Papier sei doch schon erfunden? Nicht von Google oder Apple, schon gar nicht von Microsoft oder den Schweizern. Vor 5000 Jahren schon schrieben die Ägypter auf Papyrus aus einer Cyperngras-Pflanze, das Papier soll 100 n. Chr. von einem gewissen Tsai-Lun erfunden worden sein, wie wir Wikipedia entnehmen. Dieser Herr hat aber nicht in einem Sony-Labor gearbeitet, sondern war Ackerbauminister im Reich der Mitte. Wir sollten uns also nicht über die Chinesen beschweren, die den Deutschen den Titel des Exportweltmeisters weggenommen haben. Unsere Landsleute kommen erst so gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts ins Spiel, als ein gewisser Herr Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Metallbuchstaben entwickelte.
Welche Rolle wird man in dieser Reihe dem iPad von Apple zuweisen? Es könnte die Erfindung sein, die das Papier überflüssig macht. Vielleicht wird es aber auch nur als Übergang zu wirklichem elektronischen Papier genannt werden, zum E-Paper. Hier gibt es ja bereits Angebote, etwa den Kindle von Amazon, der aber weder Farbe noch bewegte Bilder darstellen kann. Doch natürlich wird daran gearbeitet, Bildschirme zu bauen, die tatsächlich wie Papier aussehen, aber so gut sind wie die besten Displays von heute.
Und welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf uns als Journalisten, für die Verlage? Öffnet das iPad endlich den Weg zum digitalen Vertrieb jenseits der Gratiskultur des Internet, so dass sich die Produktion hochwertiger Inhalte etwa dieser Zeitschrift, wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf auch auf diesem Weg finanzieren lässt? Müssen wir das Drucken dann bald ganz aufgeben, ist die Papierausgabe nur noch ein teurer Luxus? Oder wird sie sogar besser und billiger, weil sich uns neue Einnahmequellen erschließen?
So viele Fragen, und wir müssen ehrlich sagen: Wir wissen die Antworten nicht. Sicher ist nur, dass das iPad ein faszinierendes Gerät ist. Und man muss es gar nicht für das Lesen von Webseiten oder Zeitschriften einsetzen, auch als Videofilmer findet man viele sinnvolle Einsatzbereiche. Holger Scheel hat vier Seiten dafür verlangt, das alles darzustellen, siehe Seite 44.
Weil es in Verlag und Redaktion eine gehörige Portion Apple-Enthusiasmus gibt, haben wir uns nicht lumpen lassen. Schon von dieser Ausgabe wird es, wenn alles gut geht, eine iPad-Version geben. Mehr Informationen dazu und den entsprechenden Link finden Sie auf unserer Webseite www.objektiv.org. Auf jeden Fall sind wir entschlossen, uns dem Fortschritt nicht zu verweigern, sondern das Beste draus zu machen.
Sie als Videofilmer kennen das ja.
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Der genannte Beitrag zum Thema iPad steht in Ausgabe 9-10/2010 von Videokamera objektiv. Hefte im Pressefachhandel oder zu bestellen im Abonnement oder als Probeheft (siehe linke Spalte).
Und ganz neu auch als App für das iPad, siehe Spezialseite.
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